Das Konzept



„von verlorenen Illusionen“  ist der Titel einer Lesereihe in Gedenken an die 1973 verstorbene DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann. Anlässlich des Jubiläums ihres Geburts- und Todesjahres bereist die junge Schauspielerin Elisa Ueberschär 2018/19 verschiedene Gemeinden in Ostdeutschland, die wesentliche Stationen im Leben der Autorin bildeten. 

Was ist vom Traum von einer kommunistischen Zukunft zurückgeblieben? Welche Spuren einer „DDR-Mentalität“ trägt die Wendegeneration auch noch heute in sich? Wie und in welcher Weise wird über ein Leben in der DDR noch gesprochen? Die Lesung rückt Reimanns unvollendet gebliebenen Roman „Franziska Linkerhand“ persönlichen Texten Ueberschärs gegenüber, um eine Brücke von den 1960ern ins Heute zu schlagen und um als Anreiz der Besucher*innen zu dienen, über die eigene DDR-Biographie ins Gespräch zu kommen. 

Die Lesung soll neben dem Scheitern Reimanns an ideologischen Mauern und unserer eigenen Desillusion angesichts eines ins Leere versiegenden Eifers, vor allem auch über die Hoffnungen und Träume auf eine bessere Welt der Zuhörer*innen zum Thema machen. Kann die Tatsache, dass sich Elisa Ueberschär als junge Künstlerin den Worten einer bereits 45 Jahre toten Autorin ihre Stimme leiht, Zuhörer*innen dazu bewegen, sich über ihre wunden Stellen in ihrem Leben auszutauschen? Über den Themenschwerpunkt "Ideal und Wirklichkeit" entsteht eine Brücke zwischen dem Gestern von Brigitte Reimann und unserem Heute. Durch unseren Generationsunterschied und ein Leben in unterschiedlichen politischen Systemen soll diese Lesung zur Aufarbeitung der unterschiedlichen, persönlichen Lebensentwürfe in der DDR beitragen. 

Ein Leseabend auf dem Grat zwischen Historienarbeit und Zukunftsforschung!